Der Internationale Frauentag erinnert uns daran, dass Gleichberechtigung nicht „von selbst“ passiert. Sie entsteht durch Entscheidungen – in Teams, in Meetings, in der Förderung von Talenten und in der Frage, wem wir Verantwortung zutrauen. Oft sind es nicht die großen Reden, sondern die vielen konkreten Schritte im Alltag, die am meisten verändern.
In dieser kurzen Story stellen wir Roksana Korf vor: Head of Marketing & Product Management bei Merete, seit vier Jahren im Unternehmen, verheiratet und Mutter von zwei Kindern.
Was sie auszeichnet: eine klare, verbindliche Art zu führen – und Routinen, die es ihr ermöglichen, Führung, Familie und Sport ganz selbstverständlich miteinander zu verbinden.
Roksana, warum ist der Internationale Frauentag für Dich persönlich wichtig?
Der Internationale Frauentag ist für mich ein Tag der Anerkennung für die mutigen Frauen, die vor uns für Rechte, Bildung und Gleichberechtigung gekämpft haben. Ohne ihren Einsatz wären viele Chancen, die wir heute haben, nicht selbstverständlich.
Gleichzeitig zeigt er aber auch: Der Kampf ist nicht vorbei. In vielen Teilen der Welt sind Frauen weiterhin massiv benachteiligt. Und auch in Deutschland gibt es strukturelle Hürden: Vom Gender Pay Gap über die ungleiche Verteilung von Care- und Mental Load bis hin zur Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen.
Für mich ist der Tag deshalb nicht nur Rückblick, sondern klarer Auftrag, weiter Verantwortung zu übernehmen und Veränderung aktiv mitzugestalten.
„Action“ statt nur Worte: Was ist ein konkreter Schritt, der wirklich etwas verändert?
Ein wirkungsvoller Schritt ist, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. Haltung zeigt sich im Alltag, in Entscheidungen, im Führungsstil und darin, wie wir miteinander umgehen.
Für mich bedeutet das, Verantwortung zu übernehmen, sichtbar zu sein und anderen bewusst Raum zu geben. Es heißt, nicht in Konkurrenz zu denken, sondern Vertrauen zu schenken, sich gegenseitig zu unterstützen und Erfolge miteinander zu teilen.
Gerade auch als Vorbild für das eigene Team aber auch im privaten für die eigenen Kinder, können wir zeigen, dass Zusammenarbeit stärker macht als Wettbewerb. Wenn Frauen sich gegenseitig fördern und sichtbar machen, entsteht echte, nachhaltige Veränderung.
Gab es eine Situation, in der Du gemerkt hast: Als Frau in Führung kann ich Dinge aktiv besser machen?
Im Laufe meiner Karriere habe ich erlebt, wie stark informelle „Boys-Club“ Netzwerke und gewachsene Strukturen Entscheidungen prägen können. Das ist oft historisch gewachsen und nicht bewusst ausschließend, aber nicht immer für alle gleichermaßen zugänglich.
Diese Erfahrungen haben mich geprägt. Heute achte ich sehr bewusst darauf, Transparenz zu schaffen, relevante Gespräche offen zu führen und Zugänge aktiv zu ermöglichen.
Umso mehr schätze ich unser diverses und gleichberechtigtes Team bei Merete. Für mich bedeutet Führung, Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Leistung und Potenzial zählen, und nicht, wer zufällig Teil eines bestimmten Netzwerks ist.
Du vereinst Führung, Familie und Sport: Was hilft Dir ganz praktisch, dass das gut funktioniert?
Sport ist für mich essenziell. Ich brauche Bewegung für einen freien Kopf. Sie hilft mir abzuschalten und meinen Fokus zu schärfen. Wenn Sport fehlt, merke ich das sofort, auch in meiner Leistungsfähigkeit.
Genauso wichtig ist meine Familie. Ein Partner, der Care-Arbeit und Mental Load selbstverständlich mitträgt, ist die Basis. Aber man muss sich auch bewusst Hilfe holen und akzeptieren, dass nicht alles perfekt sein kann. Und wenn Großeltern nicht vor Ort sind, braucht es andere Lösungen wie z.B. Zusammenarbeit mit anderen Eltern, Babysitter oder, wenn möglich, zusätzliche Unterstützung.
Am Ende ist es ein ständiges Austarieren. Es geht nicht darum, alles gleichzeitig zu 100 Prozent zu erfüllen, sondern darum, Prioritäten zu setzen, Verantwortung zu teilen und sich realistische Maßstäbe zu erlauben.
Welche Botschaft würdest Du einer jungen Frau mitgeben, die gern mehr Verantwortung übernehmen möchte?
Warte nicht darauf, Dich vollständig bereit zu fühlen, denn dieser Moment kommt selten. Trau Dir Verantwortung zu, auch wenn noch nicht alles perfekt ist. Nehme diese Herausforderungen an. Wachstum entsteht oft außerhalb der eigenen Komfortzone!
Suche Dir Menschen, die Dich fördern, baue Dir ein Netzwerk auf und unterstütze andere genauso, wie Du selbst unterstützt werden möchtest. Und hab keine Scheu, sichtbar zu sein.
Verantwortung zu übernehmen, heißt nicht, einem fremden Ideal zu entsprechen, sondern den eigenen Weg bewusst zu gestalten.